Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten…

Nun ja… Doch ich irgendwie schon… Aber der Reihe nach. Wie bereits in einem vorherigen Blogbeitrag beschrieben, hatten wir ein kleines gartenbauliches Vorhaben in Angriff genommen – und der Anfang dazu war dank den Ägyptern auch schonmal sehr gut gelungen. Es wurde nun aber Zeit den nächsten Schritt zu wagen. Die Natursteinmauer musste gesetzt werden und danach durfte ich endlich ansäen…

Nachdem ich mir beim Herbeischaffen des ersten Steines bald einen Bruch gehoben hatte, organisierte ich mir dieses Mal tatkräftige Unterstützung von meinem Papa. Wir sortierten Steine aus, schafften große Steine zum Bauplatz hin (und natürlich auch wieder weg – immer passt das Augenmaß ja auch nicht…), bauten Steine ein (und natürlich auch wieder aus – immer passt das Augenmaß ja auch nicht…), verfüllten alles mit kleinen Steinen und Erde, begradigten die Ansaatfläche…
Und das alles natürlich unter den wachsamen Augen meiner Frau und meiner Mama. Die beiden beschäftigen in der Zwischenzeit Lia’s und meine beiden Töchter und konnten es sich natürlich auch nicht nehmen lassen, ihre jahrelange Erfahrung im Bereich des Natursteinmauerbaues mit uns zu teilen und hielten mit sicherlich gut gemeinten Ratschlägen dementsprechend auch nicht hinter dem Berg…

Trotz (oder vielleicht auch auf Grund – wer weiß das am Ende denn schon) der ganzen Ratschläge gelang es meinem Papa und mir eine ganz hübsche kleine Natursteinmauer zu errichten. Schau selbst:

Nachdem die Ansaatfläche noch schön begradigt worden war, konnte ich endlich die Tüte Saatgut rausholen und die Samen für eine herrlich bunte gebietsheimische Blumenwiese auf der Fläche verteilen, hinterher alles einmal kurz noch festgetrampelt und angegossenn und fertig ist die Blumenwiese. Nun heißt es geduldig abwarten und dann an den Blüten erfreuen…

Ich möchte hier noch ein paar Punkte aus Naturschutzsicht aufgreifen und etwas beleuchten: da wäre zum Einen die Natursteinmauer und zum Anderen natürlich das gebietsheimische Saatgut.

Fangen wir doch mal mit der Natursteinmauer an. Ich bin ein großer Freund davon für solche Vorhaben die Dinge zu verwenden die im Garten vorhanden sind. Zugegebenermaßen haben wir da ein großes Glück gehabt, dass unser Vorbesitzer uns da schon mit den großen Steinen bedacht hatte. Warum sollte man denn aber nun eine Natursteinmauer errichten? Wir haben gute Freunde, die hätten an Stelle von Steinen einfach Beton L-Elemente verbaut. Das gartebauliche Ziel der Begradigung des anschließenden Weges und der Abstützung des kleinen Hanges wäre damit sicherlich auch erfüllt worden. Für die Tier- und Pflanzenwelt wäre das aber, sagen wir mal vorsichtig, nicht ganz optimal gewesen.
Richtig gebaut, meint hier eben mit Natursteinen und vor allem gänzlich ohne Beton in den Zwischenräumen, tummeln sich in einer Natursteinmauer gern eine ganze Reihe von Amphibien und Reptilien. Diese nutzen die Zwischenräume als Versteck und lassen sich natürlich auch von den sich in der Sonne sehr schnell aufheizenden Steinen wärmen. Darüber hinaus finden sich Spinnen, Käfer. Bienen, Larven, Ameisen, Asseln und zahlreiche andere Insekten ein. Diesen wiederrum mögen die meisten zwar nicht so sonderlich gern im Garten begegnen – aber zum einen wollen Blüten bestäubt werde (sonst gibts keine Beeren…) und zum anderen möchten die Vögel natürlich auch gern was zu fressen haben, und Insekten in sämtlichen Formen stehen bei den allermeisten unserer Gartenvögel sehr weit oben auf der Speisekarte…

Nun zum zweiten Thema – dem gebietsheimischen Saatgut. Seit nunmehr 11 Jahren steht im Bundesnaturschutzgesetz drin, dass das Ausbringen von gebietsfremden Saatgut in der freien Landschaft nicht mehr zulässig ist. Nun kann man trefflich darüber streiten, ob das auch für Gartenbesitzer gilt oder nicht… Fakt ist aber, dass es auf alle Fälle SINNVOLL ist – unabhängig davon ob es rechtlich geboten ist oder nicht.
Gebietsheimisches Saatgut für eine Wildblumenwiese verwenden bedeutet ganz allgemein gefasst, diejenigen Blumen, Kräuter und eventuell auch Gräser anzusehen, die in der freien Natur an diesem speziellen Standort eben auch wachsen (würden).
Nun mag der ein oder andere argumentieren, dass der Unterschied der Pflanzen nicht so wahnsinng groß ist, wenn man von einer Region in eine andere kommt. Fakt ist aber, dass dieser Unterschied vorhanden ist und die Tierwelt sich auch regional an genau die natürlich vorkommenden Pflanzen angepasst hat.
Und mal ehrlich. Es tut ja nun wirklich keinem weh wenn er im Garten eine bunte Blumenwiese anlegen möchte, nicht das Saatgut aus dem Baumarkt zu holen (von dem man im Zweifelsfall nicht mal sagen kann von wo das überhaupt kommt), sondern einfach bei einem Hersteller gebietsheimischen Saatgutes (da gibts zum Glück nicht so viele – Rieger-Hofmann, Saaten Zeller) eine Saatgutmischung aus der Region zu bestellen.

Entschuldigt bitte meinen etwas forschen Dogmatismus am Ende dieses Beitrages – machmal gehen die Pferde (eigentlich mag ich lieber Dromedare) mit mir durch. Im Büro haben wir beinahe tagtäglich mit letzterem Thema zu tun und nur sehr langsam wandelt sich die Einstellung vieler unserer Auftraggeber hin zu eine Stückchen mehr Naturschutz.

Unsere Mauer jedenfalls ist ganz wunderbar geworden und die ersten Wildblumen blühen bereits. Wir erfreuen uns jeden Tag aufs neue dran, Nebenbei bemerkt hat eine solche Wiese noch einen weiteren nicht zu unterschätzenden Vorteil: ich muss (nein, eigentlich darf ich) sie nicht so oft mähen wie den restlichen Garten – aber dazu vielleicht später einmal mehr…

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